Chronik der Tauchabteilung

40 Jahre Tauchabteilung - Ein Rückblick

Die Tauchabteilung des Höchster Schwimmvereins wurde vor 40 Jahren gegründet! Wir wollen diesen Anlaß nutzen und einen Rückblick auf die Entwicklung der Abteilung in dieser Zeit geben.

Teil I
In den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts war das Interesse am Tauchsport groß! Taucher waren Abenteuerer, die Dinge erlebten, die sich Andere nur im Fernsehen ansahen. Die Filme von Hans Hass und Jacques Cousteau bereiteten gewissermaßen den Boden für diese ersten Taucher. Zeitungsartikel lieferten Informationen und Bilder von der Unterwasserlandschaft sowie ihren Bewohnern – man war neugierig auf das Tauchen.

Kein Wunder, dass der Klaus Resch und seine Frau Ursula 1973 beschlossen das Tauchen zu lernen. Der Tauchclub Langen bot die notwendigen Ausbildungsmöglichkeiten. Der eine oder andere Leser weiß, dass damit die Basis für eine kollegiale Beziehung zu Franz Tschur einher geht, der vielen von uns u.a. durch die selbst entwickelten Tauchlampen bekannt ist. Auch andere Kollegen aus dieser Zeit widmeten sich dem Tauchen und sind auch heute noch in den entsprechenden Vereinen und Clubs (Rüsselsheim, Schwalbach, etc.) aktiv.

Klaus und Ursula waren von dem „Tauchvirus“ infiziert und gingen dem Sport nach so gut es die Zeit und das Bankkonto zuließen. Damals war es schwierig die notwendige Ausrüstung zu beschaffen. Auch dies war ein Grund dafür, dass Klaus und Ursula Resch 1976 entschieden gemeinsam mit dem Ehepaar Stasch einen Tauchladen zu eröffnen, den sie im Keller ihres Hauses in der Bolongarostrasse einrichteten. Neben dem Verkaufsbetrieb gehörten damals Dia- und später auch Film-Abende zum regelmäßigen Dienstagsprogramm: Eine bunte Truppe aus den Vereinen in und um Frankfurt traf sich zum Austausch von Erfahrungen und Begegnungen rund um das Tauchen.

Als Einwohner von Höchst kam Klaus und Ursula bald die Situation des HöSV zu Ohren. Der Höchster Schwimmverein bestand damals aus ca. 450 Mitgliedern, der aktive Trainingsbetrieb war so gut wie nicht besucht und man überlegte, die Bahnen für das Montags- und Freitags-Training im Hallenbad aufzugeben. Klaus und Ursula sahen dies als eine Chance für den Tauchsport und traten an den damaligen Vorstand heran. Ihr Vorschlag war, eine Tauchabteilung zu gründen und montags und freitags einen regelmäßigen Trainingsbetrieb zu etablieren. Der Vorstand, Jupp Bubenheim, erkannte darin ebenfalls die Möglichkeit, den sportlichen Betrieb des HöSV wieder stärker zu beleben. Er überzeugte seine Kollegen in der Vereinsleitung und so wurde im Rahmen der Mitgliederversammlung 1977 die Tauchabteilung gegründet, mit Wolfgang Stasch als erstem Vorsitzenden.

Zu den ersten Mitgliedern gehörten die Familien Kraft und Bayer sowie eine Gruppe von Jugendlichen (u.a. Thomas Hübner, Detlef Schröder, etc.), insgesamt traten damals ca. 10 Erwachsene sowie 3 Jugendliche der neuen Abteilung bei. Freunde und Bekannte machten Mundpropaganda, auch Zeitungsberichte wurden platziert und lösten einen regen Zuspruch aus. Dank der tatkräftigen Unterstützung des HTSV wurde rasch ein Trainings- und Ausbildungsbetrieb organisiert. Das Training war die Schlüsselplattform für die neu gegründete Abteilung und es wurde intensiv genutzt. Das „Apres-Training“ in der Kneipe gehörte genauso dazu wie regelmäßige Tauchgänge in der „blauen Adria“, im Inheidener See (bei Gießen) oder im „Silbersee“ in der Wetterau. In den ersten Jahren wurden so jeweils 2 Tauchkurse pro Jahr durchgeführt. Nach ca. 2 Jahren hatte die Abteilung ca. 80 Mitglieder, die meisten davon aktive Taucher!

Auch weiter entfernte Tauchgebiete wie das Mittelmeer oder das Rote Meer wurden angefahren, dies z.T. gemeinsam mit Tauchern anderer Clubs. Die Reisen waren für viele der einzige Jahresurlaub im Ausland. Sie wurden selbst organisiert, da es nur wenige Veranstalter, Kataloge und Pauschalreisen mit Tauchpaketen gab. Man flog oft ohne größere Vorbereitung los und hatte die komplette Tauchausrüstung dabei, d.h. sowohl Blei als auch die Flaschen! Man traf sich z.B. am Flughafen in Tel Aviv, mietete ein Auto nebst Kompressor und fuhr dann an der israelischen Küste im Sinai entlang zu den Tauchplätzen, die man der einschlägigen Literatur entnahm. Man tauchte von Land aus und zwar intensiv – 39 Tauchgänge in 12 Tagen sprechen für sich. Auf diese Weise kamen im Schnitt 50-70 Tauchgänge pro Jahr zusammen!

Eine der ersten Fahrten fand nach Elba statt – mit 32 Teilnehmern! Es standen ganze 3 Ausrüstungen für 10 teilnehmende Jugendliche zur Verfügung, die Tauchgangsplanung musste damit ganz anderen Anforderungen gerecht werden, als heute. Wem passt eigentlich welcher Anzug? Außerdem war es nicht für alle Mitreisenden klar, dass es auch außerhalb Mutters Küche genießbares Essen gibt – angesichts dieser Zweifel wurde für ein mitreisendes Tauchmitglied „deutsche“ Nahrung für 14 Tage eingepackt. Es wurde von Land aus getaucht, mit 3 Schlauchbooten. Abends gab es Lagerfeuer-Romantik am Strand.

Auch eine „Not-“situation, blieb im Gedächtnis. Eines Abends war ein Boot zu einem Nachttauchgang unterwegs. Die Kollegen beobachteten vom Strand aus, wie die Positionsleuchte des Boot an- und ausging – das Signal für ein Problem! Nachdem ein weiteres Boot im Dunkeln bemannt und vor Ort angekommen war, stellte sich heraus, dass die nicht-tauchende Bootsbesatzung sprichwörtlich kalte Füße bekommen hatte und im Boot auf- und abgelaufen war, während die Taucher unter Wasser waren. Das Auf- und Ablaufen vor der Lampe wurde vom Ufer aus als Notsignal interpretiert und hatte für einige Aufregung gesorgt.

Intensives Tauchen bedeutet immer auch, dass Überlegungen bzgl. der Dekompression angestellt werden müssen. In den Anfangszeiten gab es keine Tauchcomputer, die diese Aufgabe zuverlässig und mit vertretbarem finanziellen Aufwand übernahmen. Eine einfache Formel zur Bestimmung der maximalen Grundzeit lautete: 90 – 2xTauchtiefe. Demzufolge durfte man in 40m Tiefe 10min lang bleiben, ohne sich einer besonderen Auftauchprozedur zu unterziehen. Nach heutigen Standards wären für einen solchen Tauchgang wenigstens 2 Sicherheits-Stops notwendig, unter Berücksichtigung von Risikofaktoren sogar 4! Erst später wurden sogenannte Dekometer eingeführt, mechanische Apparaturen, die vor jedem Tauchgang zu eichen waren und die dem Taucher signalisierten, wann er aufzutauchen hatte. Dennoch sind keinerlei Deko-Unfälle aufgezeichnet worden.

Der erste Kompressor für den Verein wurde im Jahr 1980 mit Hilfe der Hoechst AG angeschafft, die Firma hatte sich großzügigerweise als Sponsor betätigt. Sicherlich half es, dass damals zwei leitende Angestellte in der Tauchabteilung aktiv waren. Vorher wurde ausschließlich der Kompressor im Tauchladen benutzt.

Etwa in der Mitte der 80er Jahre trat Harald Lange in die Tauchabteilung ein. Er war als Ausbilder für kommerzielle Tauchlehrer tätig gewesen und übernahm zunächst eine Rolle als Übungsleiter. Rasch begann er seine Ausbildung zum Tauchlehrer im Rahmen des VDST. Die Prüfung fand auf Glen-Noire, einer Insel im Nord-Atlantik statt. Dies bedeutete eine Anreise von ca. 1000 km, die per Pkw bewerkstelligt wurde. Mangels Alternativen übernachtete man auf Strohsäcken in einer Scheune, die sanitären Anlagen waren „eher einfach“ und man organisierte die Verpflegung in der Gruppe der 30 Teilnehmer gemeinschaftlich. Die Ausbildung wie auch die Prüfung zum TL verlief nach dem Motto „ein TL muss sehr viel mehr können, als jemand, der kein TL ist“. Eine Prüfungsaufgabe erforderte beispielsweise, 3 min. lang ohne Atemzug unter Wasser zu bleiben, eine andere verlangte von den Teilnehmern 75m unter Wasser zurückzulegen, ohne zu atmen. Von den Teilnehmern dieser Härte-Übungen bestanden ca. 50% die Prüfung zum TL – Harald war einer davon.

Mit dieser neuen Qualifikation ausgestattet, wurden regelmäßige Tauchtrips im Rahmen des Schwimmvereins organisiert. Interessante Tauchziele waren die Seen in Weinheim, in St. Leon Rot, Dietz sowie Kelsterbach. Man traf sich üblicherweise mehrmals pro Monat am Wochenende, fuhr gemeinsam zu einem dieser Seen und verbrachte dort den Tag, bisweilen auch das Wochenende. Einmal pro Jahr fand eine 1-wöchige Fahrt nach Österreich oder in die Schweiz statt. Hierbei wurden in der Regel bekannte Luftfüll-Stationen besucht, wo man sich mit den aktuellsten Informationen zu den besten Tauchplätzen versorgte. Diese Fahrten waren es, die dazu führten, dass man über die Anschaffung von Leihausrüstung nachdachte. Ziel war es, die Ausbildungsaktivitäten zu unterstützen und den Tauchanfängern den Einstieg zu erleichtern. Entsprechend wurde die Qualität der Ausrüstung ausgelegt: robust, kaltwassertauglich, einfach in der Wartung. Gleichzeitig wurde die Erwartung formuliert, dass jeder ernsthaft am Tauchen Interessierte sich früher oder später eine eigene Ausrüstung zulegt. Dieses Prinzip hat sich bewährt und wird heute noch verfolgt.

Den Teilnehmern dieser Fahrten wurde rasch deutlich, dass unser Sport auch einen gewissen körperlichen Einsatz erfordert. Sowohl bei der Vorbereitung, wenn es um das Schleppen der Ausrüstung geht, als auch während des Tauchgangs, wenn es gilt mit einer Strömung zurecht zu kommen oder auch nur eine umfangreichere Ausrüstung unter Wasser zu beherrschen – wer hier die notwendige Kraft und Ausdauer mitbringt, tut sich leichter. Aus diesem Grund war und ist das regelmäßige Trainingsangebot ein wichtiges Element für die Tauchabteilung. In den 80er und 90er Jahren war das Training klar durch den ausführenden Übungsleiter geprägt. Nach dem Einschwimmen wurde die Technik des Flossen-Schwimmens verfeinert, der Wasser-Nase-Reflex geübt, etc. Ab und an wurde ein Geräte-Training durchgeführt. Das Niveau des Trainings war anspruchsvoll und vergleichsweise anstrengend. Man legte mit unterschiedlichen Übungen im Schnitt ca. 1500 m (für Schwimmer ist das eine kurze Strecke, aber probieren Sie das mit Flossen!) im flachen Becken zurück, um danach im tiefen Becken Apnoe-, bzw. Geräte-Übungen zu absolvieren. Ein Muskelkater am Tag danach war nicht unüblich.

Mittlerweile hat sich für viele Mitglieder die berufliche / private Situation verändert. Häufig haben sich berufliche Anforderungen intensiviert, oft bedeutet dies andere Erwartungen an die Freizeit. Die Tauchabteilung trägt dem Rechnung, indem der Trainingsansatz flexibilisiert wurde: Es wird an jedem Trainingstag ein geführtes Training angeboten, die Teilnahme ist jedoch freiwillig und es ist akzeptiert, dass manche Teilnehmer später dazu kommen, oder nach einem stressigen Tag einfach nur schwimmen möchten, statt sich von einem Übungsleiter „einspannen“ zu lassen. Das Gerätetraining ist ebenfalls flexibler organisiert: Während es an jedem 3. Montag im Monat obligatorisch stattfindet, kann jeder Taucher mit Grundtauchschein jederzeit mit Gerät ins Schwimmbecken springen – vorausgesetzt er ist nicht alleine und hat das mit dem jeweiligen ÜL abgestimmt.

Die späten 80er-Jahre brachten mit der Öffnung des eisernen Vorhangs auch die Möglichkeit neuer Tauchgebiete. Der damalige Ausbildungsleiter war Peter Deth – er organisierte u.a. eine Tauchfahrt an den Helenesee, der bei Frankfurt/Oder liegt. Die Teilnehmer erinnern sich wahrscheinlich noch an das feuerrote Bridgestone-Mobil, das von ihm gesteuert wurde. Der Verfasser erinnert sich noch deutlich an diese Fahrt, die 1992 stattfand. Die Teilnehmer verbrachten das Wochenende auf einem Zeltplatz in DDR-Romantik und betauchten diese ehemalige Braunkohle-Grube. Das Tauchgebiet bot viele sehr reizvolle Elemente – einen versunkenen Wald, Hütten, Abhänge; es gab außerordentlich große Hechte, Karpfen, etc. zu sehen und der Verfasser, damals frisch mit dem ersten Tauchschein ausgestattet, war sehr beeindruckt. Die Fahrtzeit von 8 Stunden an die polnische Grenze war allerdings zu lange, um diese Tour häufiger zu wiederholen. Peter Deth absolvierte damals eine Ausbildung zum Tauchlehrer und verließ kurz danach Deutschland. Er arbeitet immer noch auf seiner Tauchbasis in Marbella, Spanien.

Mit zunehmendem Interesse am Tauchsport und wachsender Anzahl der aktiven Taucher wurde deutlich, dass der damalige Kompressor den Anforderungen nicht mehr genügte. Die Luftlieferleistung musste einfach verstärkt werden, um die Anzahl der zu füllenden Flaschen in einer sinnvollen Zeit zu bewältigen – die Gerätewarte wollten die Wochenenden nicht mehr ausschließlich im Füllraum auf dem Vereinsgelände verbringen. Nach verschiedenen Diskussionen mit dem Vereinsvorstand sowie einigen sparsamen Jahren wurde 1994 ein Bauer-Kompressor angeschafft. Seine Luftlieferleistung liegt bei 250 l/min. – eine leere Standard-Flasche mit 10l ist damit in ca. 8 min. mit 200bar Atemluft gefüllt. Darüber hinaus verfügt das Gerät über eine automatische Abschaltung bei Erreichung des Zieldruckes – damit wird gewährleistet, dass keine Flasche versehentlich über den vorgesehenen Druck hinaus befüllt wird. Ein Kompressor dieser Größe benötigt zum einen Luft zum Ansaugen und Verdichten in die Flaschen hinein. Zum anderen benötigt der Kompressor eine Mindestmenge an Luft zum Kühlen des Aggregats, denn beim Verdichten der Luft entsteht viel Wärme! Der zur Verfügung stehende Raum reichte hierfür nicht aus. Abhilfe schaffte ein Loch in der Wand, so dass der Kompressor die Kühl-Luft direkt ansaugen kann, sowie die Auflage des TÜV, dass die Tür bei laufendem Füllbetrieb nicht geschlossen sein darf. Man kann sich vorstellen, dass dies nicht unbedingt eine ideale Situation war und ist, insbesondere nicht im Winter.

Es war eine große Erleichterung für die Gerätewarte, als sich die Möglichkeit bot, die Leihausrüstung größtenteils in den Container auszulagern. Damit findet der Publikumsverkehr vor allem am und im Container statt. Gleichzeitig stiegen die Anforderungen an die Gerätewarte, die seither zwei Räume im Auge behalten müssen. Auf diesen Container hatten es im Jahr 2004 einige gut ausgerüstete Diebe abgesehen – der Diebstahl traf die Abteilung hart, denn das Jahresbudget ist nicht hoch genug um einen solchen Verlust direkt zu ersetzen und die Versicherungskosten wären für diesen Fall erheblich.

Etwa in der Mitte der 90er Jahre begannen die ersten, vorsichtigen Annäherungen an die Prinzipien des technischen Tauchens. Einzelne Taucher der Abteilung begannen bei tieferen Tauchgängen reinen Sauerstoff zur Dekompression im flachen Wasser einzusetzen. Tabellen oder Computer, die diese Dekompressionsvorgänge abbilden konnten, standen nicht zur Verfügung. Man verwendete daher Tabellen für normale Atemluft und nutzte den Sauerstoff als Sicherheitspuffer für den abschließenden Stopp in 3 m Tiefe. Aus heutiger Sicht ein guter Ansatz zur Minimierung des Risikos, das man damals nur schwer abschätzen konnte. Mittlerweile haben sich die die Dekompressions-Prozeduren deutlich weiterentwickelt, es stehen Computerprogramme zur Verfügung um nahezu jedes Tauchprofil zu planen und die gängigen Dekorechner für Taucher berechnen die Verwendung von wenigstens zwei Gasen.

Diese Entwicklung hatte natürlich Einfluss auf die Ausbildungsgänge, die der Verein anbietet. D.h. neben dem klassischen Tauchschein, der mittlerweile bereits standardmäßig um die Nitrox-Komponente erweitert wird und der vertieft werden kann (und sollte), besteht die Möglichkeit das Tauchen in größeren Tiefen (> 40m) unter Trimix-Einsatz zu erlernen. Diese Form des Tauchens ist mittlerweile weiter verbreitet als Viele denken (Zum Test sei die Suche im Internet unter Begriffen wie z.B.: „Technical Diving“ empfohlen). Wer sich ein wenig eingehender mit dem technischen Tauchen beschäftigt, stellt schnell fest, dass sich die Aufwendungen hinsichtlich der Ausrüstung nicht wesentlich von denen unterscheiden, die wir als verantwortungsbewusste, mitteleuropäische Kaltwasser-Taucher bereits sehr gut kennen!

Wo steht der Tauchsport heute? Der Tauchsport ist im Katalog des verfügbaren sportlichen Angebotes etabliert, der Markt ist weitgehend gesättigt. Es bilden sich unterschiedliche Spezial-Segmente aus. Die Risiken des klassischen Sport-Tauchens wurden durch die Ausbildungsorganisationen mehr und mehr entschärft. Einerseits wurden die Einstiegshürden herabgesetzt, andererseits wurden die Anforderungen in den Ausbildungsabschnitten reduziert. Der heutige PADI-Anfänger taucht nicht tiefer als 18m, um möglichst alle Risiken auszuschalten. Parallel dazu etablieren sich Methoden und Prinzipien des Technischen Tauchens im Bereich des fortgeschrittenen Sport-Tauchens. Der Umgang mit anderen Atemgasen als Luft, die Prinzipien der beschleunigten Dekompression, der Umgang mit reinem Sauerstoff erfordern eine weitergehende Ausbildung, körperliche Fitness und mentale Stabilität. Im Gegenzug werden damit reizvolle Tauchgänge in größere Tiefen sowie mit längeren Tauchzeiten möglich, die genauso Spaß machen können wie das Flachwassertauchen.

Kein Rückblick ohne Ausblick – auch in diesem Fall. Die wesentlichen Impulse für die Weiterentwicklung des Tauchsports kommen aus 2 Richtungen:

a. Physiologie/Medizin: In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Verständnis bezüglich der im Körper ablaufenden Vorgänge beim Tauchen deutlich erweitert. Die Erkenntnisse der Vorgänge im menschlichen Körper unter Wasser sind besser untersucht, finden Eingang in die Dekompressionsmodelle und werden die Sicherheit beim Tauchen weiter erhöhen. Entsprechend wird sich auch die Ausbildung weiterentwickeln.

b. Physik/Technik: Das Gasmanagement lässt sich mittlerweile sehr genau auf den einzelnen Tauchgang anpassen, die erforderliche Ausrüstung ist verfügbar und wird z.B. in der Rebreather-Technik eingesetzt – damit zeichnet sich der Trend der nächsten Jahre klar ab. Auch in unserer Abteilung gibt es bereits Mitglieder, die darauf hoffen, dass die Preise für die entsprechenden Geräte bald erschwingliche Größenordnungen erreichen.

Der Schwimmverein hat beschlossen, diese Entwicklungen offen zu betrachten und in sinnvollem Umfang in die Aktivitäten aufzunehmen. Aus diesem Grund läuft derzeit die Detailplanung für die Nitrox-Anlage, die das Tauchen für die Mitglieder des HöSV sicherer machen wird.

Es bleibt abschließend festzustellen, dass der Mensch bei allem Fortschritt von der Natur für dieses Medium nicht vorgesehen wurde. Zwei tragische Unfälle mit Todesfolge in den vergangenen 40 Jahren sind ein ernsthafter Beleg hierfür. Dennoch ist es für viele von uns immer wieder eine unvorstellbare Bereicherung, die Unterwasserwelt besuchen zu können. Die Voraussetzungen hierfür sind heute die Gleichen wie vor 40 Jahren: eine gute Ausbildung, sowie eine gute Ausrüstung. Wenn Sie Fragen zu einem von beiden haben sollten, so stehen ihnen die Ansprechpartner der Tauchabteilung jederzeit gerne zur Verfügung.

Dr. Stefan Körner

 

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